Führung in herausfordernden/belastenden Situationen

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In belastenden oder herausfordernden Situationen herrscht in der Regel zu Beginn eine gewisse Unsicherheit sowohl bei Dir als Führungskraft als auch bei Deinen Mitarbeitern. Das ist völlig normal.

Unser gewohntes Umfeld, so wie wir es kennen, kommt plötzlich ins Schwanken bzw. die Rahmenbedingungen sind so anders, dass wir leichten bis hin zu sehr schwerwiegendem Stress empfinden. Je nach Grad der belastenden Situation mal mehr und mal weniger.

Ich möchte auf drei Bereiche eingehen, die wir bei Führung bei solchen Situationen als essenziell ansehen und auch in unserer Praxis beobachten:

1.    Was passiert in belastenden Situationen mit uns selbst?

2.    Wie kannst Du Dich als Führungskraft in belastenden Situationen stärken und Dir selbst Sicherheit verschaffen?

3.    Was kannst Du tun, um die gewonnene Sicherheit auch in mein Team zu tragen?

Was passiert in belastenden Situationen eigentlich mit uns selbst?

Unerwartete und belastende Situationen lösen zunächst eine gewisse Unsicherheit in uns aus. Wir können nur wenig auf unser rationales, einfallsreiches Denken zugreifen. Sobald wir großen Stress empfinden, werden wir langsam träge. Wir befinden uns außerhalb der motivierenden Zone der Weiterentwicklung, sehen nur noch einen Berg an Arbeit oder eine Aufgabe, die kaum zu bewältigen ist.

Ein Beispiel: Stelle Dir einen Piloten vor, der in einem Flugzeug sitzt, welches plötzlich nicht mehr das macht, was es soll. Die Rahmenbedingungen haben sich schlagartig geändert, das Flugzeug kommt ins Wanken und droht abzustürzen. Das ist alles andere als das gewohnte Umfeld. Der Pilot muss nun innerhalb weniger Sekunden entscheiden, was zu tun ist.

Zum Glück machen Piloten eine Ausbildung, in der sie diese Situation 1000 Mal im Simulator trainieren. Hätte der Pilot dieses Verhalten nie trainiert, würde er wohl nach seiner Intuition und Erfahrung entscheiden und den Flieger wahrscheinlich nicht zum sanften Landen zu Boden führen können. Denn was dem Piloten in solchen Situationen zu Verfügung steht, sind seine Basic-Instincts, seine Erfahrungswerte. Da gibt es nicht viel Raum zum Nachdenken. Er handelt aus einer Intuition heraus, er ist aufgeregt, innerlich gestresst und voller Adrenalin.

Was steckt dahinter? Das Trainieren ist wie ein einstudierter Krisenplan, der so oft trainiert wurde, bis er verinnerlicht war.

Übertragen auf unsere typische Arbeitswelt: Aktuell haben wir durch Corona eine belastende, herausfordernde Situation (erlebt oder erleben sie immer noch), die sich natürlich etwas anders gestaltet. Du hast wesentlich mehr Zeit für Entscheidungen zur Verfügung und einen großen Handlungsrahmen, in dem Du Dir eine Strategie aufbauen kannst. Du hast nicht nur 30 Sekunden zum Nachdenken und musst nicht so intuitiv handeln wie beispielweise der Pilot.

Tipp: Egal ob Corona oder Fern weg von Corona, bei jedem Projekt, bei jeder belastenden und herausfordernden Aufgabe, bei der Du Dich vielleicht sogar überfordert fühlst – Denk an den Piloten und an Dein Stresslevel und frag Dich: Warum bin ich denn jetzt so gestresst? – In der Regel wirst Du zu dem Urteil kommen, dass sich Rahmenbedingungen verändert haben, Du wenig Handlungsstrategien oder -spielraum hast und/oder sogar noch Energiemangel herrscht. Du also aktuell nicht zu 100% weißt, wie Du die Herausforderung angehen sollst. Und genau dann greifen wir auf unsere Basics und Erfahrungen zurück.

Sind wir vorbereitet, sind wir handlungsfähig. Sind wir es nicht, sind wir zum großen Teil handlungsunfähig oder müssen jetzt viel Zeit investieren, um nachzuarbeiten.

Was kann ich selbst tun, um mich zu stärken?

Es gibt mehrere Wege, nun vorzugehen. Zum einen kannst Du Experten befragen, die diese Situationen bereits kennen, oder aktuell solche Situationen bereits gemeistert haben. Anderweitig gibt es den folgenden Weg, den ich hier auch aufzeigen möchte:

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Erstelle einen „Krisenplan“ bzw. Handlungsstrategien und versetze Dich gedanklich dafür in die Zukunft. Nehmen wir das Beispiel Corona. Stell Dir vor, Du wärst im März 2021. Du gehst davon aus, dass Deine herausfordernde Situation zu Ende ist, und blickst auf die Zeit zurück, wo Du jetzt stehst und überlegst, was die nächsten Monate noch passieren könnte. Die sogenannte Regnose hilft Dir dabei lösungsorientierter zu denken, anstatt problembezogen in die Zukunft zu schauen. Das ist nämlich ein großes Hindernis, das uns oft nicht bewusst ist.

–       Schauen wir in die Zukunft, sehen wir gern Probleme, die wir lösen wollen

–       Schauen wir in die Vergangenheit, sehen wir eher Lösungen zur Zielerreichung

Überleg Dir verschiedene Szenarien, damit du in vergleichbaren Situationen in der Zukunft handlungsfähig bist, so wie der Pilot. Das gibt Dir Sicherheit und ist in einer belastenden Situation ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Blicke aus der Zukunft zurück und stelle Dir Fragen, die wirklich wichtig sind. Z. B. im Corona-Style:

1.    Welche Auswirkungen hatte Corona und die Isolation?

2.    Was haben die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Home-Office und virtuelle Zusammenarbeit, mit uns gemacht?

3.    Welche wirtschaftliche Entwicklung hatten wir und wie hat sich das auf mein Unternehmen, auf mein Team und auf mich ausgewirkt?

4.    Wie hat sich die Zeit auf mein Unternehmen und die Kultur ausgewirkt? Hat sich etwas verändert?

Wenn Du zum Beispiel die soziale Isolation und Deine Unternehmenskultur betrachtest: Jeder ist für sich, Deine Mitarbeiter geben sich nicht mehr die Hand und die Atmosphäre ist irgendwie komisch. Auch die Arbeit ist eindimensionaler geworden, keiner trifft sich mehr in der Teeküche. Vielleicht bestand so viel Distanz durch die virtuelle Arbeit, was dazu führte, dass überhaupt keine Nähe mehr vorhanden war. Vielleicht haben im August auch Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, weil sie sich nicht mehr abgeholt gefühlt haben. Im September / Oktober sind vielleicht mehr Krankmeldungen dazu gekommen.

Tipp: Spinne Dir so ein paar Situationen zusammen und leite Maßnahmen für Dich und für Deinen Krisenplan ab. So bist Du gewappnet und erarbeitest Dir für unsichere Situationen einen Handlungsplan, an dem Du Dich in diesen dann orientieren kannst.

Dein Auftreten in Richtung Team

Was ist jetzt wichtig auch in Dein Team reinzugeben? Wie solltest du auf dein Team einwirken?

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Ein entscheidender Punkt ist ein positives Mindset mitzubringen. Auch in dieser Zeit bieten sich Chancen oder Möglichkeiten für die Zukunft. Filter diese Möglichkeiten heraus und stärke Deine Stärken.

Gib die Sicherheit, die möglicherweise neu gewonnene Sicherheit, mit in Dein Team hinein. Alle sitzen relativ isoliert zuhause und fühlen sich natürlich unsicher, weil sie solche Situationen noch nicht erlebt haben. Jetzt eine gewisse Sicherheit mitzubringen ist elementar wichtig und auch ein gewisser autoritärer, aber gleichzeitig emphatischer Führungsstil kann helfen, Orientierung und Struktur zu geben. Struktur gibt Sicherheit.

Tipp: Denke nachhaltig – Quick-Wins helfen nicht in belastenden Situationen. Halte die nach-haltigen Auswirkungen deiner Handlungen im Blick. Der Long-Term ist jetzt umso wichtiger.

Als Führungskraft bist Du Vorbild und gibst Leitplanken. Leitplanken, die Du Dir beispielsweise selbst durch einen Krisenplan erarbeitet hast. Wichtig ist nicht, ob der Krisenplan 100% aufgeht oder er der perfekte Plan ist, sondern, dass Du einen hast! Eine Idee, wie es weitergeht, in welche Richtung Du und Dein Team weitergehen könnt. Er ist schließlich nicht in Stein gemeißelt und die Rahmenbedingungen sind immer anders als erwartet.

Reflexionsfragen:

1.    Wie kann ich aus dieser Situation Chancen oder Möglichkeiten ableiten, ohne dabei die Rahmenbedingen klein zu reden?

2.    Wie schaffe ich es nach dieser Zeit, wieder Schwung aufzunehmen? Was kann ich aus dieser besonderen Zeit vielleicht auch mitnehmen?

3.    Was können meine nächsten Schritte sein, um meine Rolle zu stärken und meinen Mitarbeitern Sicherheit zu geben?